1955
(...) Unverändert geblieben ist der Genius loci, der an Gestalt und Seele Wiens seit einem Jahrtausend wirkt. Der Lokalgeist von Wien stürmt nicht blind dahin; er geht verständig mit der Zeit und weiß das ehrwürdig Alte von entbehrlich Veraltetem ebenso zu unterscheiden, wie notwendig Modernes von überflüssig Modernistischem. Er weiß, daß es in jedem Wiener, mag er der ältesten oder der jüngsten Generation angehören, Gefühle gibt, die sich nicht wandeln: die Liebe zur Heimatstadt, den Stolz auf ihre große Vergangenheit, die Freude an ihrem Gedeihen und die Sorge um ihre Zukunft.
Diese Gefühle finden in den sommerlichen Wiener Festwochen Ausdruck und Befriedigung. Einmal im Jahr, und zwar während der Himmel blaut und Wiens Gärten blühen, sollen Herz und Gemüt besonders teilhaben am künstlerisch-kulturellen Leben der Stadt und sich ihren Elementen : Vergangenheit— Gegenwart — Zukunft mit Interesse zuwenden. Das ist der Sinn dieses friedlichen Wiener Sommerfestes. Die Wiener glauben, ihre Vaterstadt genau zu kennen und alles von ihr und über sie zu wissen. Oft aber kennen sie die wichtigsten Dinge nicht. Man hat sie ja in nächster Nähe, geht täglich an ihnen vorüber und wird schon einmal Zeit und Gelegenheit finden, ihre nähere Bekanntschaft zu machen. Die fremden Besucher wieder fühlen sich verwirrt vom Reichtum an Möglichkeiten, die Wien ihnen bietet, und kaum imstande, sich während weniger Tage ein charakteristisches und daher gültiges Bild der Stadt zu schaffen.
Beide also — Einheimische und Fremde — bedürfen der Einladung, des Rates und der verständigen Führung. Dafür sorgen die Wiener Festwochen. In diesen Wochen soll der Wiener aus dem Ich Kreis seiner persönlichen Verhältnisse und Pflichten hinaustreten und schauen, was andere getan, was die Gemeinschaft geleistet hat. Erstaunt wird er feststellen, wieviel Neues es von Sommer zu Sommer in Wien zu sehen gibt, wieviel Altes ihm unbekannt war, wie viele kulturelle Genüsse er sich hat entgehen lassen. Nicht anders wird es dem Fremden gehen, der ein Jahr lang fort war und nun zu seinem Rendezvous mit dem Wiener Sommer wiederkommt. Auch er wird Wiens Fortschritte im Sinne einer gesunden Evolution beifällig vermerken, deren Aufgabe es ist, die Pflege ererbter Kulturgüter mit der Förderung der Gegenwartsbestrebungen und der Befriedigung moderner Lebenserfordernisse zu verbinden.
Die Wiener Festwochen wollen keine museale Wallfahrt sein, kein Festival betonter Einseitigkeit und exklusiver Vornehmheit. Sie wollen vielmehr die sommerlich prangende Stadt mit ihrem ganzen Reichtum an Landschaft, Kunst, Kultur allen erschließen, so daß jeder sich nehmen kann, was ihm gefällt und wonach der Sinn ihm steht. Wien und sein Sommer laden zu einem Fest zukunftsgläubiger Lebensfreude. Wer könnte sich ihm entziehen?
Programm
Theater
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Arlecchino Servitori di due Padroni
o. Ang. Theater Burgtheater -
Das Blaue vom Himmel
o. Ang. Theater Gastspielbühne Casanova -
Der Mann der Dame Jesabel
o. Ang. Theater Kleines Theater im Konzerthaus -
Die unsichtbare Kette (The River Line)
o. Ang. Theater Akademietheater -
Die Verlorenen
o. Ang. Theater Theater in der Josefstadt -
Durst vor dem Kampf
o. Ang. Theater Theater der Courage -
Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste
o. Ang. Theater Theater am Parkring -
Hauptmann Großmaul (miles gloriosus)
o. Ang. Theater Carnuntum, Theater am Naschmarkt -
King Lear
o. Ang. Theater Burgtheater -
La Trilogia della Villegiatura
o. Ang. Theater Burgtheater -
Much ado about nothing
o. Ang. Theater Burgtheater -
Seine letzte Berufung
o. Ang. Theater Die Tribüne -
Spanisches Dreieck
o. Ang. Theater Akademietheater -
Ulla Windblad [Winbland] oder Musik und Leben des Carl Michael Bellman
Leon Epp Theater Volkstheater
Musiktheater
Musik
Tanz
Bildende Kunst
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Bildnis und Karikatur
Ausstellung Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste -
Europäische Kunst – gestern und heute
Ausstellung Amt für Kultur und Volksbildung -
Maske und Schauspiel fremder Völker
Ausstellung Museum für Völkerkunde -
Meisterwerke des 15. bis 18. Jahrhunderts
Ausstellung Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste -
Österreichische Landschaftsmalerei von Schindler bis Klimt
Ausstellung Akademie der bildenden Künste -
Wiener Secession – Zwei Generationen
Ausstellung Secession -
„Der Kreis“ und Internationale Graphik
Ausstellung Künstlerhaus