1966

Festivaldatum:
21. Mai – 19. Juni 1966
Intendant:
Ulrich Baumgartner
Präsidentin:
Gertrude Fröhlich-Sandner
Eröffnung Wiener Festwochen 1966 © Votava / brandstaetter images / picturedesk.com
Eröffnung Wiener Festwochen 1966 © Votava / brandstaetter images / picturedesk.com

Ulrich Baumgartner
Die Wiener Festwochen 1966

Wie schon im Vorjahr legt die Leitung der Wiener Festwochen der Öffentlichkeit neben dem Gesamtprogramm einen Almanach vor. Er bringt als eine Art Rechenschaftsbericht einen Teil der gedanklichen Vorbereitung, wie sie für ein derart großes und alle Sparten der Künste umfassendes Unternehmen im Allgemeinen wie für die einzelnen Veranstaltungen notwendig ist.

Plädoyer für Festspiele

Die Sommer- und Reisezeit wird in immer stärkerem Maße von Festspielen und -veranstaltungen heimgesucht. In Europa sind es im Westen wie im Osten nun schon weit über 150 geworden: ungefähr 40 große, mehr oder wenig kontinuierlich veranstaltet und qualitätvoll künstlerisch ausgerichtet, daneben aber eine Unzahl kleinere, die den Anlaß einer hübschen Gegend, einer imposanten Ruine oder des Gedenktages eines in der Gegend beheimateten großen Mannes zu oft ganz ausgezeichneten Darbietungen nutzen. Gegen die „Festspielkrankheit‘ macht sich nun vielfach ein Unbehagen breit: wir empfinden die Vervielfachung als Abwertung und Verflachung. Diese Überlegung ist ebenso ungerecht wie z. B. die Verteufelung der Technik. Denn wie niemand letztlich auf alle Annehmlichkeiten technischer Apparaturen verzichten will, wenn sie ihn selbst vielleicht auch weniger individuell erscheinen lassen, so ist nichts dagegen zu sagen, daß die nun im Urlaub befindlichen Menschenströme sich auch mit kulturellen Ereignissen befassen, daß die vielen Menschen, die das Jahr über nur gehetzt in ihr Theater oder Konzert kommen, die aus Zeitmangel Ausstellungen versäumen müssen oder von interessanten Vorträgen nur die Ankündigungen lesen, daß sie sich alle, ausgeruht und voll festlicher Vorbereitung, auch einmal diesen Dingen widmen.

Was ist ein „Fest“?

Anlaß zur Kritik gibt höchstens der Begriff „Fest“, mit dem die meisten derartigen Veranstaltungen sich selbst eine Art Gütezeichen verleihen wollen, das sie aus der Flut der täglichen Ereignisse herausheben soll. Aber während z. B. zur Zeit der Gründung der Salzburger Festspiele, in den frühen Zwanzigerjahren, diese Versammlung von einigen hundert Liebhabern der schönen Künste aus ganz Europa tatsächlich noch den Charakter eines familiären Festes trug, hat der Massentourismus naturgemäß die engen Familienbande gesprengt. „Feste“ sind also heute nicht mehr durch Stimmung und Innigkeit allein, sondern mehr durch große Schauplätze und besondere, meist nur mit viel Geld erkaufbare Qualitätsanhäufungen zu erzielen, sie sind eben, wie vieles andere auch, sehr kommerzialisiert worden. Diese immer engere Durchdringung von Kunst und Kommerz, die wir sozusagen in dunklen Winternächten ehrwürdiger Konzertsäle noch leugnen können, die aber in der prallen Sommerhitze ferialer Veranstaltungen leichter ablesbar ist, sie tut uns besonders weh und trägt zu Fehlurteilen bei. Denn die „zweite Saison‘, die Ausnutzung der Ferien- und Reisezeit auch für kulturelle Bedürfnisse, ist durchaus legitim und überaus positiv zu werten! Sie ist eigentlich nur in dieser Vielfalt und in den Schauplätzen neu, denn die Tatsache, daß Künstler den Anlässen und Besuchern nachgereist sind, hat es schon immer gegeben: die Handelsmessen des Mittelalters, die Fürstenhöfe des Barock oder die Badeorte des 19. Jahrhunderts waren in diesem Sinne Vorläufer unserer heutigen Festspiele.

Der besondere Charakter der Wiener Festwochen

Die Wiener Festwochen, 1951 durch den damaligen Kulturstadtrat Hans Mandl gegründet, weisen gegenüber vielen anderen Festspielen eine besondere Struktur auf. Einmal sind sie das festlich überhöhte Saisonende einer Kunststadt und deshalb viel weniger ein reines Touristenfestival. Während also in den meisten Fällen anderer großer Festivals fast ausschließlich auswärtige Gäste an den Veranstaltungen teilnehmen, haben wir es bei den Wiener Festwochen vor allem mit den Wienern zu tun, die zu 75 Prozent die Veranstaltungen besuchen. Die Gäste, die zu uns kommen, sind ein Spezialpublikum: teils wirkliche Spezialisten, die aus Sachkenntnis eine bestimmte Aufführung oder ein Konzert besuchen, oder ein ausgewähltes Reisepublikum, das unabhängig von den normalen Urlaubszeiten Wien als Stadtlandschaft im Frühling genießen will. Dazu kommt als ein Spezifikum, das die Wiener Festwochen mit keinem anderen Festival der Welt teilen: auch die einzelnen Gemeindebezirke richten ihre Festspiele aus! Die teils einfachen, teils aber auch originellen Programmbeiträge ergeben eine fast unübersehbare Fülle von Veranstaltungen, von Hauskonzerten oder Gedenkstunden an kulturhistorisch bedeutsamen Stätten bis zu großen Aufführungen oder interessanten Ausstellungen.
Drittens bemüht sich die Leitung der Wiener Festwochen seit einigen Jahren, einer Anregung des früheren Intendanten Dr. Hilbert folgend, in steigendem Maße, die Wiener Festwochen unter ein Gesamtmotto zu stellen. Da während der ganzen Saison ja ohnedies ein sehr reger Konzert- und Theaterbetrieb von hohem Niveau durchgeführt wird, können die Veranstaltungen während der Festwochen nun nicht mehr noch Bedeutenderes bringen. Unter ein Motto gestellt, und dadurch mit einem Akzent versehen, erhalten aber auch oft gegebene Werke in anderer Gruppierung, z. B. in Zyklen dargeboten, andere Aspekte. Ebenso erleichtert das Gesamtmotto große zentrale Aufführungen oder selten Gespieltes, das für sich allein einer eindringlichen Erklärung bedarf. Solche gemeinsame Themenkreise waren bisher, neben Gedenkjahren (wie Haydn oder Mahler) „Anbruch unseres Jahrhunderts“ oder die Feier zur Wiederkehr der Befreiung Österreichs unter dem Motto „Kunst in Freiheit“. (...)

Programm

Theater

Spielorte

  • Akademietheater
  • Albrechtsrampe
  • Arkadenhof der Wiener Universtität
  • Ateliertheater
  • Augustinerkirche
  • Basilika Maria Treu (Piaristenkirche)
  • Burggarten
  • Burg Kreuzenstein
  • Burgtheater
  • Deutschordenskirche
  • Die Komödianten
  • Die Tribüne
  • Dominikanerkirche
  • Experiment am Liechtenwerd
  • Fadenbühne im Künstlerhaus
  • Freyung
  • Friedhof St. Marx
  • Gesellschaft der Musikfreunde
  • Graben
  • Hanuschgasse 3
  • Heiligenkreuzer Hof
  • Heiligenstädter Pfarrplatz
  • Hofburgkapelle
  • Hof des Deutsch-Ordenshauses
  • Hof des Erzbischöflichen Palais
  • Hof des Haydn-Hauses
  • Hoher Markt
  • Heldenplatz
  • Innerer Burghof
  • Josefsplatz
  • Kammerspiele
  • Karlskirche
  • Karmelitenkirche
  • Kleines Theater
  • Kosmos Kino
  • Malteserkirche
  • Minoritenkirche
  • Modeschule der Stadt Wien
  • Neuer Markt
  • Österreichische Nationalbibliothek
  • Österreichischer Rundfunk - Großer Sendesaal
  • Palais Erzherzog Karl
  • Palais Schwarzenberg
  • Pawlatschentheater
  • Pfarrkirche Lichtental
  • Pfarrkirche Mariä Geburt
  • Pfarrkirche Maria Geburt
  • Pfarrkirche St. Gertrud
  • Pfarrkirche St. Michael zu Heiligenstadt
  • Pfarrkirche St. Peter
  • Piaristenkirche
  • Raimundtheater
  • Rathaus
  • Rathausplatz
  • Schlosskapelle Schönbrunn
  • Schuberts Geburtshaus
  • Servitenkirche
  • Staatsoper
  • Stephansdom
  • Theater am Belvedere
  • Theater an der Wien
  • Theater der Courage
  • Theater im Zentrum
  • Theater in der Josefstadt
  • Universität Wien
  • Urania
  • Volksoper
  • Volkstheater
  • Votivkirche
  • Wiener Kammeroper
  • Wiener Konzerthaus