1980

Festivaldatum:
15. Mai – 22. Juni 1980
Direktorium:
Gerd Bacher (Generalintendant)
Generalsekretärin:
Hildegarde Waißenberger
Präsident:
Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst, Prof. Dr. Helmut Zilk

Aus dem Programmheft

Das Großereignis der Wiener Festwochen 1980 ist die Produktion der Karl-Kraus-Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit‘. 1974 gelang Hans Hollmann in Basel die Aufführung einer werkgerechten Bearbeitung für zwei Abende, die Theatergeschichte machte. Nun wird im authentischen Rahmen des Wiener Konzerthauses dieser Versuch auf österreichischem Boden wiederholt. Im Konzerthaus, das knapp vor dem Ersten Weltkrieg fertig wurde, las Karl Kraus vielfach auch aus den „Letzten Tagen‘, diesem Untergangs-Drama des alten Österreich. Als erfolgversprechend darf die Besetzung des Nörglers und des Optimisten mit Helmut Lohner und Peter Weck bezeichnet werden.

Das Theater an der Wien ist in Europa wohl das Haus mit der größten Tradition. Hier wurde Beethovens „Fidelio‘‘ uraufgeführt, auch „Die Fledermaus‘‘ von Johann Strauß, Lehars „Lustige Witwe‘‘ , um nur die bekanntesten Werke zu nennen, wurden „an der Wien‘‘  aus der Taufe gehoben. Trotzdem wird auch der 18. Mai 1980 in die bald 180jährige Geschichte dieser Bühne eingehen. Zum ersten Mal wird eine Uraufführung direkt im Fernsehen übertragen und das gleich über Österreichs Landesgrenzen hinaus. Der Österreicher Gottfried von Einem, geboren in der Schweiz und in Schleswig-Holstein aufgewachsen, gehört zu den erfolgreichsten Opernkomponisten unserer Zeit. Der heute 62jährige Musiker schrieb u. a. „Dantons Tod‘‘ (nach Büchner, 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt), „Der Prozeß‘‘ (nach Kafka, 1953 wieder in Salzburg, diesmal unter Karl Böhm uraufgeführt), „Der Zerrissene‘‘ (nach Nestroy, 1964 Uraufführung in Hamburg, Dirigent Sawallisch), „Der Besuch der alten Dame“ (nach Dürrenmatt, 1971, Staatsoper Wien), „Kabale und Liebe‘‘ (nach Schiller, 1976, Staatsoper Wien, Christoph von Dohnanyi). „Jesu Hochzeit‘‘ ist die erste Einem-Oper nach einem Originalstoff und hat prompt auch schon lange vor der Premiere für einige Aufregung gesorgt. Was die Autorin Lotte Ingrisch, die Frau des Komponisten und eine vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, symbolisch verstanden wissen will, wird von manchen zu buchstäblich genommen. Lotte Ingrisch: ‚Das Christentum ist, vergessen wir das nicht, eine mystische Religion. Das Zentralerlebnis der Mystik aber ist nach Herbert Thursten S. J. eine Intuition Gottes, ein überbewußtes Verschmelzen mit Gott, eine heilige Hochzeit und mystische Ehe. Diese hochzeitliche Union ist der Inhalt der Oper. Wie jemand die Vereinigung der Liebe mit dem Tod als sexuell mißverstehen kann, ist mir nicht ganz begreiflich.“

Publikumstheater, Kindertheater, Frauentheater, Straßentheater, Slowenisches Laientheater, Lehrlingstheater, Lesungen und Reflexionen österreichischer Autoren, Gipfel der Frechheit-Kurzszenen, Großstadtdschungel-szenische Rock-Musik-Show, Pablo-Neruda-Musik-Collage, Minimusical, British New Wave, sephardische und chassidische Lieder, österreichische und ausländische Liedermacher, deutsche Punk-Rock-Bands, Volksmusiktag, Elektronik-Performance, Abschlußfest mit dem Wiener Art Orchester, Ohrenlichtspiele, Videowochenschau, Videojournal, Videotheater, öffentliche Dunkelkammer, Ausstellung exemplarischer Fotografie, Retrospektive Frauenfilm, Ausstellung US-Wandmalerei, Starkult, Antiplakate, Open-House-Super-8-Filme, Atmender Sessel, Printbus-eine mobile Kleindruckerei, BudenstraBe, Erwachsenenspielplatz, Reflexionen zum Tagesgeschehen, Künstler für Außenaktionen...
Das Achtz’gerhaus ist der erste Versuch, eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht zentral zu planen, sondern nach den Bedürfnissen der Betroffenen auszurichten und aufzubauen. Das Programm wurde nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt von unten nach oben gestaltet.

Programm

Spielorte

  • 4. Bezirk - Festsaal der Bezirksvorstehung; 8. Bezirk - Palais Auersperg
  • 7. Bezirk - Hof des Amerlinghauses; 3. Bezirk - Karl-Borromäus-Platz 3
  • Ateliertheater am Naschmarkt
  • Auditorium maximum der Universität Wien
  • Die Tribüne
  • Freie Bühne Wieden
  • Innere Stadt mit Zentrum Rathausplatz
  • Jodok-Fink-Platz vulgo Piaristenplatz
  • Kabarett Fledermaus
  • Kabarett Simpl
  • Karlskirche
  • Museum des 20. Jahrhunderts
  • Musikverein Wien
  • nicht traditionelle Theaterplätze
  • Palais Palffy
  • Raimundtheater
  • Rathausplatz
  • Schauspielhaus
  • Stephansdom
  • Theater in der Josefstadt
  • verschiedene Spielorte
  • verschiedene Veranstaltungsorte in Wien und Mödling
  • Vienna’s English Theatre
  • Wiener Kammeroper
  • Wiener Künstlerhaus; Park-Kino
  • Wiener Stadthalle
  • Internationales Kulturzentrum