2001
50 Jahre Wiener Festwochen: 1951 - 2001
Die Wiener Festwochen feiern 2001 ein Jubiläum: Sie können auf 50 Jahre Festival-Geschichte zurückblicken. 1951 gegründet als "Demonstration des österreichischen Selbstbehauptungswillens", sollten sie damals der Welt beweisen, dass eine von den Nachwehen des Krieges gezeichnete Stadt zu kulturellen Aktivitäten fähig ist. Die Wiener Festwochen 50 Jahre später, zu Beginn des neuen Jahrtausends haben fraglos eine andere Funktion und andere Aufgaben. Wien ist zur unumstrittenen Kulturmetropole geworden und die Wiener Festwochen haben sich den Rang eines innovativen Festivals mit internationalen Kooperationen erworben. Doch gerade dadurch dulden die Wiener Festwochen keine Stagnation. Eben noch Bewährtes hat vielleicht heute in einem veränderten Koordinatensystem internationaler Bezüge und Traditionen keine Aussagekraft mehr, und so liegt es im Anspruch der Festwochen, nach Neuem zu suchen, aktuelle Kunst zur Diskussion zu stellen und dadurch Auskunft über Entwicklungen nicht nur in der Kunst zu geben.
Im europäischen Veranstaltungskalender herrscht an Festivals bekanntlich kein Mangel. Mit der Internationalisierung der Kultur wird der Verlust an Identität geortet, mit dem immergleichen Glanz bewährter Professionalität die Austauschbarkeit einer Kultur konstatiert, die -statt zu produzieren- bloß sich selbst reproduziert und zum Ort des Geschehens keinen Bezug mehr hat. Für die Wiener Festwochen gilt das nicht. Im Gegenteil: Seit ihrer Gründung waren die Festwochen in den kulturellen Jahresablauf der Stadt integriert. Dort, wo Burgtheater und Staatsoper, Akademie- und Volkstheater, Volksoper und Raimundtheater, Theater in der Josefstadt und Theater an der Wien, Ronacher sowie über 30 Mittel- und Kleinbühnen an mehr als 300 Tagen im Jahr um die Gunst des Publikums buhlen, wo zahlreiche Museen und Galerien, Musikverein und Konzerthaus um Besucher werben, stehen die Wiener Festwochen vor der Frage: Wie kann man am Ende einer ereignisreichen Saison, also im Mai und Juni, mit Kunst und Kultur noch einmal Publikum interessieren und faszinieren?
Die Wiener Festwochen sind heute als ein Höhepunkt im kulturellen Jahresablauf Wiens eine Selbstverständlichkeit: als Großstadtfestival, das besondere Akzente setzt, die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Schaffen in anderen Städten Europas und der Welt sucht und dabei herausragende Leistungen vorstellt, andererseits aber auch die Kreativität Wiens einbringt und präsentiert. Die primären Richtlinien der Programmgestaltung sind so ausgelegt, dass dem heimischen Publikum eine homogene Ergänzung oder interessante Pendants zum Ganzjahresbetrieb geboten werden. Eigen- und Gemeinschaftsproduktionen sowie Gastspiele, für die im regulären Betrieb ganz einfach die Mittel fehlen, sollen hier gezeigt werden. Allen Programmpunkten ist eines gemeinsam: der Mut zum Risiko, das Bekenntnis zu einer Kunst, die auch zum produktiven Ärgernis werden kann. Als Kulturfestival, dessen oberstes Ziel bei aller Publikumswirksamkeit nicht die "Einschaltquoten" des Kulturtourismus sind, sehen die Festwochen die Aufgabe darin, Kulturereignisse selbst zu schaffen oder mitzugestalten, die höchstes künstlerisches Niveau mit gesellschaftsrelevanten Inhalten und Zielen verbinden. Die Wiener Festwochen bieten eine zusätzliche Gelegenheit für innovative Impulse der Wiener Szene, wichtige Begegnungen mit kulturellen Ereignissen aus dem Ausland, Auseinandersetzungen mit Kunst und Kultur auf allen Gebieten und vor allem die Einbeziehung aller WienerInnen in das kulturelle Geschehen. Die Wiener Festwochen sind nicht nur ein Spiegel der Kulturbegeisterung dieser Stadt, sondern gleichzeitig auch ein Angebot zur Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Welten. Das Programm der Wiener Festwochen 2001 ist das vierte und letzte des Direktoriums Luc Bondy (Schauspiel), Dr. Klaus-Peter Kehr (Musiktheater) und Hortensia Völckers (Tanz und Sonderprojekte). Ab 2002 wird Luc Bondy als Intendant für das Programm der Wiener Festwochen alleinverantwortlich sein.
Programm
Theater
-
Bash
Peter Zadek
Theater Akademietheater -
Die Erniedrigten und die Beleidigten
Frank Castorf
Theater Halle E im MuseumsQuartier -
LE COSTUME (Der Anzug)
Peter Brook
Theater Halle G im MuseumsQuartier -
Now That Communism Is Dead, My Life Feels Empty
Richard Foreman
Theater Halle G im MuseumsQuartier -
Puntila
Bertold Brecht, Hella Wuolijoki
Theater Halle G im MuseumsQuartier -
Roberto Zucco
Klaus Michael Grüber
Theater Akademietheater -
Supermarket
Thomas Ostermeier, Biljana Srbljanović
Theater Halle G im MuseumsQuartier -
The Tragedy of Hamlet
Peter Brook
Theater Halle E im MuseumsQuartier
Musiktheater
-
Die Feuersbrunst
Brian Michaels
Musiktheater Odeon -
Erwartung / Lohengrin
Niels-Peter Rudolph
Musiktheater Odeon -
gute miene böses spiel
Peter Oskarson
Musiktheater Odeon -
Intolleranza
Günter Krämer Musiktheater Theater an der Wien -
Le nozze di Figaro
Michael Heltau
Musiktheater Theater an der Wien -
Mudan Ting
Chen Shi-Zheng
Musiktheater Halle E im MuseumsQuartier -
Shockheaded Peter
Phelim McDermott und Julian Crouch
Musiktheater Ronacher -
Szene Penthesilea
Lutz Graf Musiktheater Theater an der Wien
Musik
-
30. Internationales Musikfest der Wiener Konzerthausgesellschaft
Konzert, Musik Wiener Konzerthaus -
Liedermatinee Olaf Bär
Olaf Bär, Anne Bennent, Helmut Deutsch
Konzert Theater an der Wien -
Schönberg Festival
Musik, Konzert Arnold Schönberg Center, Musikverein Wien, Odeon, Schönberg-Haus in Mödling, Staatsoper, Theater an der Wien, Wiener Konzerthaus -
Walter Jurmann-Gala
Konzert Wiener Konzerthaus
Performance
Spielorte
- Akademietheater
- Arnold Schönberg Center
- dietheater Künstlerhaus
- Halle E im MuseumsQuartier
- Halle G im MuseumsQuartier
- Künstlerhaus
- Musikverein Wien
- Odeon
- Rathausplatz
- Ronacher
- Schönberg-Haus in Mödling
- Staatsoper
- Theater an der Wien
- verschiedene Museen
- Wiener Konzerthaus

