2005

Festivaldatum:
7. Mai – 19. Juni 2005
Geschäftsführung:
Wolfgang Wais, Luc Bondy
Künstlerische Leitung:
Luc Bondy (Intendant), Stefanie Carp (Schauspieldirektorin), Stéphane Lissner (Musikdirektor)
Eröffnung Wiener Festwochen 2005 © Mike Ranz
Eröffnung Wiener Festwochen 2005 © Mike Ranz

Liebes Publikum,

Das Musiktheaterprogramm der Festwochen will sich mit Inszenierungen derzeit prägender europäischer Regisseure und Dirigenten in eine globale Reflexion über europäische Identität und kulturelles europäisches Erbe einschreiben. Es sind drei Achsen europäischer Komposition, auf die sich das Programm konzentriert: Mozart, die europäische Barockmusik (Händel, Bach) und die zeitgenössische Musik bzw. die Musik der europäischen Moderne. Sie verbinden sich mit den großen Erzählungen europäischer Literatur und Mythologie: Der zeitgenössische belgische Komponist Philippe Boesmans komponierte eine Oper nach Strindbergs Fräulein Julie, Georg Friedrich Händels Oper Hercules liegt Sophokles’ Tragödie Die Frauen von Trachis zugrunde. Es ist in weiten Teilen gelungen, im Zentrum der Inszenierungen dieser Opern Künstler zusammenzubringen, die ein Stück Geschichte und Erfahrung miteinander teilen und so von innen heraus ein hohes Maß an Identität in sich tragen. Gemeinsam werden diese Inszenierungen beschreiben, was derzeit europäisches Musiktheater ist.

Die Verarbeitung gegenwärtiger Erfahrung mit Grenzen und Ausgrenzung ist ein wichtiges Thema im Schauspielprogramm. Das Ausgrenzen fremder Lebensformen, die Vernichtung der Unterschiede, das Aufeinanderprallen gegenseitig fremder Kulturen und die paradoxen Existenzformen erlebter Heterogenität und erwünschter Gleichheit sind ein Thema und ein Theaterkontext. Man muss aus Europa heraustreten, an die Peripherien gehen, um zu erkennen, wie es um diese angebliche Kultur steht. Die nationalen Grenzen verschwinden und neue werden gezogen, die vorwiegend zwischen Arm und Reich verlaufen: Wer entspricht der Wirtschaftsnorm und wer kann abgeschafft werden. Im Zentrum des Programms stehen einige Uraufführungen neuer Stücke (u. a. von Tom Lanoye, Marius von Mayenburg, Kathrin Röggla, Yasmina Reza, Amir Reza Koohestani, Marius IvaSkevicius) und Projekte theatralisch-sozialer Recherche; in Gegenspannung zum Unvermittelten stehen aktuelle Interpretationen literarischer Klassiker bzw. Neoklassiker wie Büchner, Marivaux, Tschechow, Strindberg, Dostojewski. Es gibt deutschsprachige Inszenierungen und Arbeiten aus den urbanen Zentren anderer Kontinente. Mehrere Regisseure haben ihre Arbeiten für Wien entwickelt. Sie verlassen die Theaterräume und gehen in die Realräume der Stadt, den Südbahnhof, die Otto-Wagner-Klinik.

Wie immer zeigen die Festwochen internationale, unterschiedliche Regie- und Schauspielstile, unterschiedliche Theaterkontexte. In engem Dialog zum Schauspielprogramm stellt forumfestwochen ff Arbeiten von Künstlern aus China, Indien, dem Iran, Kolumbien, Litauen, Pakistan, Spanien und Südafrika vor. Als Plattform für junge Künstler und theatrale Experimente (Videoinstallation, Dokumentation, Performance) steht das forum-Programm für die Außensicht auf Europa. Es versteht sich als Intervention, die die Wirklichkeit anderer Lebenswelten näher bringt und Erfahrungen aus Flucht, Vertreibung, Verlust und Überformung als direkte Reaktion auf eine sich radikal verändernde Welt formuliert. Die Präsentation des osteuropäischen Theaters ist um die aus außereuropäischen Ländern, die am westlichen Lifestyle nicht teilhaben können und wollen, erweitert worden. Da werden die Grenzen zu den anderen Kulturen und Ökonomiewirklichkeiten noch schärfer gezogen. Der Osten und die Dritte Welt und wir, die wir unsere eigenen innereuropäischen Ghettos errichten: der Schwächeren aus Osteuropa und der Dritten Weit, der Alten, der Kranken, der Abnormen etc. Auch die Theaterkunstgrenzen werden unterschiedlich geschlossen und geöffnet. In diesem Programm hat uns ungeschütztes Theater interessiert und die Ränder, an denen Theater in Diskurs, in Installation, in performative Dokumentation übergeht, die Projekte, die den Rohstoff der Erfahrung verwenden, ohne literarische Abfederung, Schicksale, die von Reibungen erzählen, von Verlusten und unserer Fragilität.

Herzlich, Ihr Luc Bondy

Programm

Theater

Spielorte

  • Akademietheater
  • Burgtheater Vestibül
  • Dschungel Wien
  • Halle E im MuseumsQuartier
  • Halle G im MuseumsQuartier
  • Jugendstiltheater
  • Ronacher
  • Schauspielhaus
  • Südbahnhof
  • Theater an der Wien
  • Zirkuszelt vor der Votivkirche
  • Österreichisches Filmmuseum