2015

Festivaldatum:
14. Mai – 21. Juni 2015
Geschäftsführung:
Wolfgang Wais, Markus Hinterhäuser
Künstlerische Leitung:
Markus Hinterhäuser (Intendant), Stefan Schmidtke (Schauspielchef)
Eröffnung Wiener Festwochen 2015, Sommernachtskonzert © Richard Schuster
Eröffnung Wiener Festwochen 2015, Sommernachtskonzert © Richard Schuster

Pressebrief, Dezember 2015

Das von Intendant Markus Hinterhäuser und Schauspielchef Stefan Schmidtke verantwortete Programm der Wiener Festwochen 2015 umfasst 39 Produktionen – darunter 5 Uraufführungen, 4 Neuinszenierungen und 7 Premieren im deutschsprachigen Raum. Einige Arbeiten sind zum ersten Mal in Europa zu sehen.

Die Ensembles, Künstlerinnen und Künstler kommen aus 20 Ländern – viele sind erstmals zu Gast bei den Wiener Festwochen. Als Gratis-Open-Air-Konzert findet die Eröffnung der Wiener Festwochen 2015 gemeinsam mit dem Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta am 14. Mai in Schönbrunn statt. Das Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus wird am 16. Mai eröffnet. Als Treffpunkt für die Künstlerinnen, Künstler und das Publikum der Wiener Festwochen wird es bis 21. Juni ein Ort der Begegnung, des Gesprächs und Spielstätte für sieben Festwochen-Produktionen sein.

Am 16. Mai feiert die Neuproduktion von Salvatore Sciarrinos Oper Luci mie traditrici/Die tödliche Blume in der Regie und Ausstattung von Altmeister Achim Freyer Premiere. Der Dirigent ist Emilio Pomàrico. Der australische Regisseur und Autor Simon Stone wird mit einer Neuinszenierung von Ibsens John Gabriel Borkman u. a. mit Birgit Minichmayr, Caroline Peters und Martin Wuttke sein Burgtheater-Debüt geben (Premiere 28. Mai).

Am neuen Festwochen-Spielort F23, einer ehemaligen städtischen Sargfabrik im 23. Wiener Gemeindebezirk, wird Frank Castorf mit einer szenischen Umsetzung von Die Brüder Karamasow seine Dostojewski-Auseinandersetzung fortsetzen (Premiere 29. Mai). Erstmals wird Andrea Breth in Wien Oper inszenieren: Für die Wiener Festwochen bringt sie Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg zusammen mit Robert Schumanns letztem Klavierwerk Geistervariationen auf die Bühne. Kent Nagano dirigiert das Gustav Mahler Jugendorchester (Premiere 19. Juni).

In Edward II. Die Liebe bin ich trifft die für das elisabethanische Theater bahnbrechende Bühnensprache Christopher Marlowes auf den musikalischen, radikal geformten Sprachkosmos des österreichischen Dramatikers Ewald Palmetshofer. Die Uraufführung inszeniert die junge Österreicherin Nora Schlocker (Premiere 26. Mai). Ebenfalls bei den Wiener Festwochen zur Uraufführung kommt Kings of War nach Shakespeares Königsdramen Henry V., Henry VI. und Richard III. in der Regie von Ivo van Hove mit dem großartigen Ensemble der Toneelgroep Amsterdam (Premiere 5. Juni). Die in Mali lebende Choreografin und Tänzerin Noël Kettly ist erstmals zu Gast bei den Festwochen. Sie wird hier ihr Solostück Je ne suis pas noire/Ich bin keine Schwarze über die inspirierende Kraft von Utopien zur Uraufführung bringen (Premiere 5. Juni).

Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek inszeniert erstmalig für die Wiener Festwochen: die Uraufführung von Kauza Schwejk, eine Gerichtsverhandlung über einen ewigen Mitläufer nach dem Roman Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav Hašek, wird am 11. Juni Premiere haben. Sebastian Nübling erarbeitet mit dem jungen theater basel die Uraufführung von NOISE über die Verdrängung alternativer Lebensweisen aus dem öffentlichen Raum im neuen Festwochen-Spielort F23 (Premiere 17. Juni).

Der preisgekrönte, amerikanische Autor und Regisseur Richard Nelson zeigt zum ersten Mal in Europa The Apple Family Plays, seinen Zyklus von vier eigenständigen Stücken, der eine US-Mittelstandsfamilie, gespielt von einem famosen Ensemble, als Zeitzeugen der jüngeren Geschichte agieren lässt (Premieren 19. / 20. / 21. / 22. Mai). Antigonón, un contingente épico/Helden wie Antigone von Rogelio Orizondo, inszeniert von Carlos Díaz, thematisiert den ewigen Kampf des kubanischen Volkes um Freiheit und Unabhängigkeit. Das Teatro El Público aus Havanna gastiert erstmalig in Europa (Premiere 24. Mai).

Als Europa-Premiere ist Lara Foots Drama Fishers of Hope. Taweret um die schwindenden Hoffnungen einer Familie und eines ganzen Kontinents mit dem Ensemble des Baxter Theatre aus Kapstadt zu erleben (Premiere 3. Juni). Der Moskauer Regisseur Kirill Serebrennikow zeigt seine Inszenierung von Nikolai Gogols Roman Мёртвые души / Tote Seelen mit einem Männerensemble und Liedern des Komponisten Alexander Manotskow (Premiere 20. Mai). In seinem neuen Solostück Abschied vom Papier erzählt der russische Autor und Regisseur Jewgeni Grischkowez über die heutige Informations- und Kommunikationsflut (Premiere 28. Mai).

Die Uraufführung von Peter Handkes Die Stunde da wir nichts voneinander wußten fand 1992 bei den Wiener Festwochen statt. Mit Blick auf die verschobenen Koordinaten der Welt und ihre neu durchmischte Bevölkerung inszeniert das estnische Regieduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo seine Version von einem Platz in der Mitte des neuen Europa (Premiere 21. Mai). Go down, Moses, die jüngste Theaterarbeit von Romeo Castellucci, erzählt vom Propheten Moses und dem traumatischen Erlebnis eines verlassenen, von der eigenen Mutter ausgesetzten Kindes (Premiere 27. Mai). Aus Potsdam gastiert Georg Friedrich Händels Oratorium Jephtha,  einer ergreifenden Inszenierung der jungen Regisseurin Lydia Steier, die damit ihr Wien-Debüt gibt, und unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, einem ausgewiesenen Spezialisten für Alte Musik (Premiere 24. Mai).

Aus Berlin eingeladen wurde der Opern-Comic Ohne Titel Nr. 1 – Eine Oper von Herbert Fritsch. Der Regisseur und Ausnahmeschauspieler Herbert Fritsch und sein hinreißendes Ensemble gastieren mit dieser ungewöhnlichen Oper, in der wilder Klamauk, Chaos und Unsinn den Ton angeben, erstmals bei den Wiener Festwochen (Premiere 16. Juni). Drei Festwochen-Produktionen präsentieren sich mit Beteiligung von Wiener Mitwirkenden: Under de si wird von den Argentiniern Diego Bianchi und Luis Garay mit 46 Wienerinnen und Wienern – alles Menschen mit ganz besonderen Talenten – erarbeitet (Premiere 23. Mai). Der Schweizer Autor und Dramaturg Mats Staub erweitert seine Installation 21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden mit über 90 Porträts um sieben aus Wien (Premiere 16. Mai) und für das Projekt The Common People. A Composition of First Encounters des Choreografen Jan Martens werden zwanzig Mitwirkende gesucht, die sich erstmals in szenischen Duetten auf der Bühne begegnen werden (Premiere 18. Juni).

In Perhaps all the dragons. Horror Vacui [#3] der belgischen Gruppe BERLIN erfahren die Zuschauer von der Six Degrees-of-Separation-Theorie, die behauptet, dass jeder Mensch mit einem anderen über gerade einmal fünf andere verbunden sei … (Premiere 16. Mai). Von Milo Rau ist die Performance The Civil Wars zu sehen, in der der Schweizer Regisseur und Autor den Biografien seiner Schauspieler die Visionen junger Kämpfer gegenüberstellt, die in den Nahen Osten aufbrechen und dort für die Errichtung eines Gottesstaates kämpfen (Premiere 13. Juni). Der südafrikanische Experte für zeitgenössischen Film Brent Meistre arbeitet zum ersten Mal in Europa: In Analogue Eye. Drive-in Theatre lädt er zu einem besonderen Kinoerlebnis, dessen Komponenten der ungewöhnliche Spielort F23, der Ton aus dem Radio, das Auto als Zuschauerraum und das ferne Aufscheinen eines Panoramas afrikanischer Filmpositionen sind (Premieren 3./5./6. Juni).

Im Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus richtet Brent Meistre gemeinsam mit Daniel Ebner vom Kurzfilmfestival VIS Vienna Independent Shorts unter dem Titel U/Tropia ein Programm mit Kurzfilmen als Schauraum und als Liegekino ein (Premiere 27. Mai). Das Back to Back Theatre aus Australien zeigt seinen Welterfolg small metal objects am außergewöhnlichen Spielort Mariahilfer Straße. Die Protagonisten des Spiels sind die Passanten, die Performer und das Publikum (Premiere 8. Juni). 

Leonardo Moreira, Regisseur und Autor aus São Paulo, und seine Truppe Cia. Hiato gastieren mit O Jardim / Der Garten,  ihre Erfolgsproduktion über die Erinnerungen und Geschichten einer Familie, erstmalig in Wien (Premiere 27. Mai). Zum ersten Mal bei den Festwochen zu Gast ist auch das extrovertierte Theaterkollektiv La Re-sentida aus Santiago de Chile mit La Imaginación del Futuro / Phantasie für morgen , ihre Reflexion über die gewalttätige Vergangenheit Chiles, inszeniert von Marco Layera (Premiere 31. Mai). Der kroatische Regisseur Bobo Jelčić verzichtet in seiner viel gerühmten Inszenierung von Galeb / Die Möwe auf jedes vertraute Tschechow-Ambiente, ohne den Autor je zu verraten (Premiere 30. Mai).

Mit ihrer gefeierten Arbeit Ajax & Little Iliad nach Sophokles’ Tragödien Ajax und Philoktetes stellen sich die jungen Künstler Evan Webber und Frank Cox-O’Connell aus Toronto erstmals dem Wiener Publikum vor (Premiere 4. Juni). Eine Performance zweier Künstler, die schräger und unterschiedlicher nicht sein könnten, ist We don’t speak to be understood, das Festwochen-Debüt von Pieter Ampe und Benjamin Verdonck aus Belgien (Premiere 6. Juni). Erstmals zu Gast bei den Wiener Festwochen ist auch der südafrikanische Schauspieler Wessel Pretorius mit seinem berührenden Solo Ont- / undone über einen jungen Heranwachsenden namens Boet (Premiere 11. Juni).

Dorothée Munyaneza flüchtete 1994 von Ruanda nach Europa. In Samedi détente singt und tanzt sie, erzählt ihre Geschichte und spannt einen Bogen von Europa nach Afrika, aus dem Gestern ins Heute (Premiere 18. Juni). Erstmalig zeigen die Festwochen eine Arbeit von Joël Pommerat in Wien. In La Réunification des deux Corées / Die Wiedervereinigung der beiden Koreas bringt der französische Ausnahmekünstler mit seiner Compagnie Louis Brouillard kleine und große Liebesdramen schonungslos und mit beißendem Humor auf die Bühne (Premiere 12. Juni). Die Festwochen-Reihe Into the City unter dem Titel Hotel Metropole. Der Erinnerung eine Zukunft geben wird am. 28. Mai am Morzinplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk eröffnet, dort, wo in dem von den Nationalsozialisten unmittelbar nach dem „Anschluss“ beschlagnahmten Hotel Metropole die größte Gestapo-Leitstelle des Deutschen Reichs errichtet worden war. Künstler und Experten werden sich in vier Themenschwerpunkten mit Erinnerungskultur und Geschichtspolitik befassen.

Eine zweitägige Hommage an Mieczysław Weinberg erinnert an den polnischen Komponisten. Auf Einladung der Festwochen präsentiert Gidon Kremer mit seiner Kremerata Baltica und Solisten ein Porträt Mieczysław Weinbergs und seiner Seelenverwandtschaft zu Dmitri Schostakowitsch. Ergänzt werden die vier Konzerte im Musikverein mit einer Gesprächsrunde zu Der unbekannte Weinberg und dem Film Wenn die Kraniche ziehen (13. und 14. Juni). Das 37. Internationale Musikfest findet vom 9. Mai bis 23. Juni im Wiener Konzerthaus statt.

Programm

Theater

Spielorte

  • Akademietheater
  • brut
  • Burgtheater
  • F23
  • Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus
  • Halle E im MuseumsQuartier
  • Halle G im MuseumsQuartier
  • Mariahilfer Straße / Neubaugasse
  • Morzinplatz 1
  • Musikverein Wien
  • Schauspielhaus Wien
  • Schloss Schönbrunn
  • Stadtkino im Künstlerhaus
  • Theater Akzent
  • Theater an der Wien
  • Volkstheater
  • Wiener Konzerthaus