2016

Festivaldatum:
13. Mai – 19. Juni 2016
Geschäftsführung:
Wolfgang Wais, Markus Hinterhäuser
Künstlerische Leitung:
Markus Hinterhäuser (Intendant), Marina Davydova (Schauspielchefin)
Eröffnung Wiener Festwochen 2016 © Mike Ranz
Eröffnung Wiener Festwochen 2016 © Eröffnung Wiener Festwochen 2016

Die Wiener Festwochen 2016 sind die dritten und letzten der Intendanz von Markus Hinterhäuser: Das von ihm und Schauspielchefin Marina Davydova verantwortete Programm umfasst 36 Produktionen – darunter  4 Uraufführungen, 2 Neuinszenierungen und 10 Premieren im deutschsprachigen Raum. Die Ensembles, Künstlerinnen und Künstler kommen aus 25 Ländern – viele sind erstmals zu Gast bei den Wiener Festwochen.

Als Gratis-Open-Air-Konzert findet am 13. Mai die Eröffnung der Wiener Festwochen 2016 auf dem Rathausplatz statt.

Die Neuinszenierung von Ludwig van Beethovens großer Befreiungsoper Fidelio steht im Zentrum des Musikprogramms: Für die Wiener Festwochen 2016 wird der international gefeierte russische Regisseur Dmitri Tcherniakov erstmals in Österreich eine Oper inszenieren. Der Dirigent ist Marc Minkowski (Premiere 14. Juni).

Nach einer dem polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg gewidmeten Hommage bei den Wiener Festwochen 2015 wird 2016 seine Oper Die Passagierin, komponiert nach dem Roman der aus Krakau stammenden KZ-Überlebenden Zofia Posmysz, als Gastspiel der Oper Frankfurt erstmals in Wien zu erleben sein (Premiere 19. Mai).

Unter dem Titel Wehe den eiskalten Ungeheuern präsentieren die Wiener Festwochen am 4. und 5. Juni im Wiener Konzerthaus insgesamt vier Konzerte mit Werken von Karl Amadeus Hartmann, Luigi Nono, Arnold Schönberg, Hanns Eisler, Gustav Mahler, Ernst Krenek, Georg Friedrich Haas und Frederic Rzewski.

Christoph Marthalers theatraler Liederabend Isoldes Abendbrot ist eine skurrile, poetische Meditation über das Dasein und zugleich eine Hommage an die große Sängerin Anne Sofie von Otter (Premiere 3. Juni).

Im Schauspielprogramm ist die erste Wiener Arbeit des dänisch-österreichischen Performerduos SIGNA (Signa und Arthur Köstler) zu sehen: In Wir Hunde / Us Dogs bevölkert eine Gemeinschaft von Trans-Species das Gebäude der Faßziehergasse 5 im siebten Wiener Bezirk. Nach einem mehrmonatigen Arbeitsprozess mit einer Gruppe von internationalen und Wiener Performern öffnet SIGNA ab 14. Mai diese tierische Parallelwelt für Erkundungsgänge.

»Lassen sich die Positionen von Religion und Kirche noch in Einklang mit den Lebenswirklichkeiten einer jungen Generation von Europäern bringen?« fragen der Autor und Regisseur Falk Richter und der Choreograf Nir de Volff/ TOTAL BRUTAL in ihrem Projekt Città del Vaticano, das sie gemeinsam mit Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses Wien und einer Gruppe von internationalen Performern erarbeiten (Uraufführung am 20. Mai).

Ebenfalls bei den Wiener Festwochen zur Uraufführung kommt die neueste Theaterarbeit des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó: Látszatélet / Scheinleben – eine fiktive Lebensgeschichte um einen Rom, basierend auf realen Fakten (Uraufführung am 21. Mai).

In Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt untersucht Oliver Frljić ausgehend von Peter Weiss’ Roman Die Ästhetik des Widerstands die Beziehungen von Kunst und politischer Macht. Für sein neues Stück, das am 29. Mai bei den Wiener Festwochen zur Uraufführung kommt, führt der kroatische Regisseur die Schauspielensembles des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka und des Jungen Theaters im slowenischen Ljubljana auf der Bühne zusammen.

Der in Kiew geborene und nun in Berlin lebende Andriy Zholdak inszeniert mit dem Ensemble des Mazedonischen Nationaltheaters Соларис / Solaris nach dem berühmten Roman von Stanisław Lem. Die international bekannte Bühnenbildnerin Monika Pormale aus Lettland wird dieses Bilderspektakel einer Reise von einem fernen Stern hinein  in das innerste Ich ausstatten. Die Premiere dieser Neuinszenierung findet am10. Juni bei den Festwochen statt.

Mit Konstantin Bogomolovs Inszenierung Идеальный муж. Комедия / Ein idealer Gatte. Komödie, eine bitterböse Gesellschaftssatire nach Oscar Wildes Bühnenstück, kommt die Sensation der Moskauer Theaterszene zu den Wiener Festwochen (Premiere 25. Mai). Sein Festwochen-Debüt gibt Timofej Kuljabin aus Nowosibirsk mit Три сестры / Drei Schwestern. Seine Inszenierung in russischer Gebärdensprache eröffnet einen ganz neuen Blick auf die Beziehungen der Figuren in Tschechows Drama (Premiere 27. Mai). Aus Kiew gastiert die ukrainische Frauenband Dakh Daughters mit Roses, ihrem musikalisch-theatralischen Freak-Kabarett, das mit der vielschichtigen ukrainischen Identität spielt (Premiere 14. Mai).

Dugne / Nachtasyl in der Inszenierung des litauischen Regisseurs Oskaras Koršunovas zeigt den vierten Akt von Gorkis Meisterwerk als eine Welt der Hoffnungslosigkeit, zelebriert mit viel Wodka von den Protagonisten (Premiere 23. Mai).

Gianina Cărbunariu, der aufstrebende Regiestar des rumänischen Theaters, ist mit Oameni obişnuiţi / Gewöhnliche Menschen – ihrer theatralischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Whistleblower – zum ersten Mal bei den Wiener Festwochen zu Gast (Premiere 31. Mai) Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen, Frank Castorfs hochenergetische Bühnenadaption von Andrej Platonows postrevolutionärem apokalyptischem Roman über eine Reise durch die russische Steppe nach dem, den Kommunismus verheißenden Tschewengur mit dem Schauspiel Stuttgart, feiert am 13. Mai seine Festwochen-Premiere.

In der Regie von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner ist Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution ein bilderstarkes Revolutionsvarieté mit Heiner Müller im Originalton, Corinna Harfouch als Weißclown sowie Live-Musik von der Band Die Tentakel von Delphi (Premiere 23. Mai).

The Encounter, von und mit Simon McBurney, besteht nur aus Geräuschen und Klängen, die den Zuschauer ausschließlich über Kopfhörer erreichen. Inspiriert von Petru Popescus Roman Amazonas erzählt das neue Opus des englischen Meisterregisseurs die Geschichte von Loren McIntyre, dem Fotografen des National Geographic, der 1969 im Amazonas-Dschungel nach den Mayoruna-Indianern suchte (Premiere 2. Juni).

Mit Jan Fabres 24-Stunden-Theater-Marathon Mount Olympus. To Glorify the Cult of Tragedy zeigen die Wiener Festwochen ein Theaterereignis der Superlative, das vom 21. Mai, 19.30 Uhr bis 22. Mai, 19.30 Uhr dauert: Großes Tragödientheater um Götter und Heldentaten, Inzest, Kinds- und Muttermord, Tier- und Menschenopfer.

Die Protagonisten für sein Minitheater findet David Espinosa in den einfachen Figuren für Modelleisenbahnen, die er auf einem Tisch platziert: Mit Mi gran obra (un proyecto ambicioso) / Mein großes Werk (ein ehrgeiziges Projekt) ist erstmals eine Arbeit des spanischen Künstlers bei den Wiener Festwochen zu sehen (Premiere 28. Mai).

In Dark Circus nach einer Idee von Pef (Pierre Elie Ferrier) kreiert das französische Duo STEREOPTIK (Jean-Baptiste Maillet und Romain Bermond) vor den Augen des Publikums Töne und Bilder, um sie auf eine Riesenleinwand zu projizieren, auf der sie sich magisch zu einem Zirkusuniversum mit Akrobatik, Tanz, Schattentheater, Figurentheater, Stumm- und Zeichentrickfilm zusammenfügen (Premiere 4. Juni).

Ovids Erzählung vom Bildhauer Pygmalion, dessen unsterbliche Liebe zu einer Statue aus Elfenbein diese zu menschlichem Leben erwachen lässt, inspirierte die von den Kapverden stammende Choreografin Marlene Monteiro Freitas zu de marfim e carne – as estátuas também sofrem / aus Elfenbein und Fleisch – auch Statuen leiden mit einem Ensemble aus Musikern und Tänzern (Premiere 7. Juni).

Mit Koncert życzeń / Wunschkonzert zeigt Regisseurin Yana Ross aus Litauen erstmals eine Arbeit bei den Wiener Festwochen: Sie hat Franz Xaver Kroetz’ Stück ohne Worte mit der polnischen Starschauspielerin Danuta Stenka in Szene gesetzt (Premiere 9. Juni).

Eine weitere Regisseurin gibt ihr Festwochen-Debut: Afsâneh Mâhian aus Teheran zeigt ihre Inszenierung von Mahin Sadris Stück Die Anpassung über drei Frauenschicksale im heutigen Iran (Premiere 13. Juni).

Silvia Calderonis Soloabend MDLSX ist das schrille Coming-out einer Kunstfigur namens Cal, ein explosiver Roadmovie-Trip, in dem die italienische Künstlerin Autobiografisches und literarische Texte mit queeren Manifesten verbindet. Es ist das erste Festwochen-Gastspiel von Silvia Calderoni und ihrer Theatergruppe Motus (Premiere 3. Juni).

Auch Pippo Delbono und seine Kompanie (u. a. der taubstumme Bobò und der Transvestit Gianluca) gastieren erstmalig in Wien. In seiner Theaterarbeit Orchidee konfrontiert der italienische Starregisseur die Körper auf der Bühne mit eingefangenen Videosequenzen – eine üppige Bilderflut im Revuestil (Premiere 16. Juni).

Dimitris Papaioannou aus Athen ist Choreograf, Regisseur, Kostüm- und Bühnenbildner sowie Performer. In Primal Matter entwickelt er gemeinsam mit Michalis Theophanous ein unablässig mutierendes Geflecht aus Bewegungen eines Körpers und seines Schattens (Premiere 17. Juni).

In By heart lädt Tiago Rodrigues, Schauspieler, Autor, Regisseur und in Lissabon Intendant des Nationaltheaters D. Maria II zehn Freiwillige auf die Bühne, um mit ihm gemeinsam William Shakespeares berühmtes Sonett Nr. 30 auswendig zu lernen (Premiere 17. Juni).

Unter dem Titel Thinking Aloud/Allowed widmen sich an zwei Abenden im Burgtheater ForscherInnen, DenkerInnen und Intellektuelle aus verschiedenen Ländern und Kontexten Themen der Zeit: Against Silence / Gegen das Schweigen steht am 31. Mai auf dem Programm und am 7. Juni gilt die Debatte der Frage Is Europe Taking a Right Turn? / Ist Europa auf dem Weg nach rechts?

Into the City 2016 umfasst unter dem Titel Universal Hospitality eine Ausstellung und ein Open Forum: Die Ausstellung in der Alten Post im ersten Wiener Bezirk bietet KünstlerInnen Raum für die Visionen einer offenen, inklusiven Welt, die nationalistische Denk- und Exklusionsmuster hinter sich lässt. Die Ausstellung wird am 24. Mai eröffnet und ist bei freiem Eintritt bis 19. Juni täglich zu besichtigen. Vom 3. bis 5. Juni widmet sich das Open Forum im Angewandte Innovation Laboratory neben theoretischen Beiträgen auch Personen und Initiativen, die in Bereichen wie Inklusion und Bildung zukunftsorientiert arbeiten, und bietet Gelegenheit zu Austausch und Vernetzung.

Das Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus wird am 14. Mai eröffnet. Bis 19. Juni wird es aufs Neue der Treffpunkt der KünstlerInnen und des Publikums der Wiener Festwochen sowie der Ort für Gespräche und Workshops, drei Theaterproduktionen, eine Filmreihe und die große Festwochen-Ausstellung sein.

Die Wiener Festwochen widmen der israelischen Künstlerin Sigalit Landau erstmalig in Wien eine umfangreiche Personale ihrer Videoarbeiten, die sie selbst installativ in Szene setzen wird: Die Ausstellung Sorrow Grove im Künstlerhaus/Festwochen-Zentrum wird am 14. Mai eröffnet und ist bis 19. Juni zu besichtigen.

Unter dem Titel Susan Sontag Revisited werden vom 19. bis 24. Mai im Stadtkino im Künstlerhaus die filmischen Arbeiten der amerikanischen Essayistin, Schriftstellerin, Theoretikerin und Regisseurin gezeigt.

Les thermes / Die Thermen der französisch-belgischen Gruppe France Distraction lädt das Publikum zum philosophischen Austausch in ein Becken im Festwochen-Zentrum, gefüllt mit über 25.000 Bällen und jeder mit einer Stoikerweisheit bedruckt (Eröffnung 14. Mai, geöffnet vom 15. Mai bis 19. Juni, 10 bis 21 Uhr, freier Eintritt).

Vom 14. bis 22. Mai zeigt Fyodor Pavlov-Andreevich im Festwochen-Zentrum seine für die Wiener Festwochen adaptierte performative Installation Fyodor’s Performance Carousel: Der brasilianische Performance-Künstler russischer Herkunft und acht weitere KünstlerInnen werden auf einer Drehscheibe voneinander abgeschirmt und unabhängig thematisch verbundene Arbeiten kreieren. Mit Climax vom 14. bis 19. Juni im Festwochen-Zentrum wird erstmals eine Arbeit der weltbekannten israelischen Choreografin Yasmin Godder bei den Wiener Festwochen gezeigt.

Vom 8. Mai bis 16. Juni finden im Musikverein die Festwochenkonzerte 2016 der Gesellschaft der Musikfreunde statt.

Programm

Spielorte

  • Alte Post
  • Angewandte Innovation Laboratory
  • brut
  • Burgtheater
  • Faßziehergasse 5A
  • Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus
  • Halle E im MuseumsQuartier
  • Halle G im MuseumsQuartier
  • Musikverein Wien
  • Rathausplatz
  • Schauspielhaus Wien
  • Stadtkino im Künstlerhaus
  • Theater Akzent
  • Theater an der Wien
  • Wiener Konzerthaus