Ab heute heißt du Sara
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Beschreibung
Die Handlung ist historisch und spielt zu gleich hier und jetzt. Die Sara-Darstellerin sagt es: Den gelben Fleck kriegt ihr nicht weg. Alle sind gemeint, auch diejenigen, die sich einen Frieden mit der Vergangenheit zurechtgelegt haben. Der Mensch, singt das Ensemble, gewöhne sich an alles: Das werde sein Untergang sein.
Die beiden Ebenen von damals und heute konkurrieren miteinander. Die Historie hat die stärkere Position. Sie liefert den dramatischen Stoff. Die Gegenwart muß um ihren Platz kämpfen. Das ist die Kunst. Sobald die Vergangenheit auf der Bühne vorherrscht, klammert man sich an das Wunder. Die Rettung von Mutter und Tochter rettet dann auch die Zuschauer. Darin liegt die Gefahr. Theater ist auf dem kahlen Podium kein Überfluß, sondern unser tägliches Brot. Das Ensemble aus zwölf Darstellern teilt sich die siebzig Rollen. Eine Tafel über dem Schauplatz kündigt die wechselnden Adressen und den Zeitverlauf zwischen 1933 und 1945 an. Die Songs, die von oben von einer Band begleitet werden, brechen die Realismus-Illusion auf. Sie bringen die Nachricht über die Rampe, daß es keinen Schlußstrich gibt. Das junge Publikum, mit dem die Inszenie rung vor allem rechnet, soll am historischen Beispiel die Aktualität erkennen. Nicht so einfach, als säßen die Nazis von früher mit im Zuschauerraum, sondern einfach so, daß zwischen der Bühne und dem Parkett kein Zeitgraben liegt. Was dort und hier gespielt wird, sind nur scheinbar getrennte Welten. Die Inszenierung folgt ganz der Stoßrichtung, in die das Stück zielt. Es geht um das Erzübel: die Bereitschaft zur Anpassung und die Unfähigkeit zum Widerstand.
Sibylle Wirsing
Aus: FAZ, 16. Februar 1989
Credits
Inszenierung Uwe Jens Jensen Musik Hansgeorg Koch Bühnenbild Mathias Fischer-Dieskau Kostüme Yoshio Yatlara Mit Thomas Ahrens, Claudia Balko, Claus-Peter Damilz, Christian Giehse, Michaela Hanser, Rene Hofschneider, Hansi Jochmann, Dietrich Lehmann, Nina Lorck-Schierning, Hanna Petkoff, Renate Reiche, Christian Veit Musikalische Begleitung David Reinhart, Matthias Witting, Albrecht Riermeier
33 Bilder aus dem Leben einer Berlinerin von Volker Ludwig und Detlef Michel
Nach dem autobiographischen Bericht „Ich trug den gelben Stern" von lnge 0eutschkron