Die unheilbringende Zauberkrone oder König ohne Reich, Held ohne Mut, Schönheit ohne Jugend
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Beschreibung
Jetzt hat das Theater Gruppe 80 sich - nach dem Erfolg von „Moisasurs Zauberfluch" vor zwei Jahren - gerade wieder einen solchen ernsten Raimund vorgenommen; den tragischsten von allen wahrscheinlich: „Die unheilbringende Zauberkrone oder König ohne Reich, Held ohne Mut, Schönheit ohne Jugend". Ein verschrobenes, ein unangenehmes Stück: In zum Teil hilflosen, tragikomischen poetischen Bauchaufschwüngen werden Märchenmotive, klassische Sagen und eigenartige, phantastische Wahnbilder zu einem Ganzen verwoben, das mehr den Gesetzmäßigkeiten des Alptraums folgt als irgendeiner anderen Dramaturgie.
Da wird am laufenden Band gestorben, getötet, betrogen, gelogen; selbst das unumgängliche Happy End fordert noch eine Leiche. Die Helden - der Dichter Ewald und der Schneider Simplizius Zitternadel (Raimunds Rolle) - lösen ihre märchenhaften Aufgaben zur Stürzung des Usurpators Phalarius nicht etwa getreu herkömmlicher Märchen-Moral durch besondere Schläue und/oder Mut und Kraft, sondern schlicht und einfach durch Betrug. Eine Zauberfackel mit „narkotischen" Kräften hilft ihnen, ihrem Publikum die Lösung von zwei der Aufgaben mit ziemlicher Grausamkeit vorzugaukeln; auch der „Held ohne Mut" - niemand anderer als der sogenannte „feige Dümmling" Zitternadel - gerät mit Hilfe eines Blut-Tranks kurze Zeit in jene tollwütige Rage, die das Problem „löst". Nie sonst wurde übrigens von Raimund selbst seine hypochondrische Tollwut-Furcht, die ihn letztlich das Leben kostete, derart deutlich in einem Stück angesprochen und zugleich sublimiert.
Zum „tragisch-komischen Original-Zauberspiel", dieser Gratwanderung zwischen Scheinmoral, Fieberwahn und romantischem Märchentraum, soll im Theater Gruppe 80 denn auch ein direkter Bezug zur Biographie des Dichters hergestellt werden: ebenfalls bereits Tradition für die Raimund-Inszenierungen Helmut Wiesners.
Lies Kató
Credits
Künstlerisches Team
Inszenierung Helmut Wiesner Bühnenbild Carlo Tommasi in Zusammenarbeit mit Susanne Pfanner Kostüme Maxi Tschunko Musik Wolfgang Florey Mit Sebastian Hufschmidt, Ottwald John, Michael Maassen, Jost Meyer, Stephan Wolf-Schönburg, Alexander Lhotzky, Elke Claudius, Helga lllich, Magdalena Knapp-Menzl, Ariane Payer, Adeline Schebesch, Katrin Thurm
Produktion
Theater Gruppe 80 mit Unterstützung der Wiener Festwochen