Giulio Cesare

Romeo Castellucci

1997 | Internationale Premiere

Infos

Jahr
1997
Aufführungsdaten
12. / 13. / 14. / 15. / 16. Mai
Spielort
Halle G im MuseumsQuartier
Genre
Theater
Sprache
In italienischer Sprache
Text

Romeo Castellucci, nach William Shakespeare und den lateinischen Historikern

Mit

Alvaro Biserna, Giovanni Rossetti, Lele Biagi, Elena Bagaloni, Cristiana Bertini, Dalmazio Masini, Ivan Salomoni, Adam Peter Brien

Bühne

Romeo Castellucci

Produktionsart

Internationale Erstaufführung

Produktionsform

Koproduktion

Produzenten

Wiener Festwochen, Socìetas Raffaello Sanzio, Cesana, kunstenFESTIVAL des Arts 1998, Brüssel in Zusammenarbeit mit Teatro A. Bonci, Cesena

Beschreibung

Julius Cäsar scheint William Shakespeares genaue dramatische Übertragung von Plutarchs Parallelbiographien [Bioi Parallēloi] zu sein. Autonome Hinzudichtungen zu den Szenen, beschrieben in diesen Geschichten aus der Klassik, gibt es nicht. Dies bedeutet, daß das Drama, obgleich es in der Ermordung Cäsars durch Brutus gipfelt – damit den Vatermord versinnbildlichend –, auf die tragische Evidenz von Gut und Böse verzichtet und sich vielmehr der Neutralität des Schicksals verpflichtet.

Die Idee der Unveränderlichkeit bezog sich für die Stoiker sowohl auf die Vergangenheit wie auf die Zukunft. Auch die Zukunft kann man, so wie die Vergangenheit, nicht verändern. Derart ist das Schicksal.

Die Kraft aber, welche diese Inszenierung vor allem bestimmt, ist die Kraft der Rhetorik, die, wie Cicero sagt, die Kunst der Überzeugung ist. Unter diesem Gesichtspunkt handelt es sich um eine Kraft, welche dem Ablösen und Abwechseln von Königshäusern, Vorherrschaften und Republiken entlang der Geschichte trotzt und diese übertrifft. Es gibt nichts, was ihr in bezug auf die Evolution ebenbürtig wäre. Ihr Wesen bezieht sich unterschiedslos sowohl auf die Propaganda als auch auf die dramatische Kunst, sowohl auf den militärischen und wirtschaftlichen Ansatz der Macht als auch auf den freien Schöpferwillen der Volksaufstände und der Kunst: darauf besteht die sie formende Ambiguität. Die hohe Spezialisierung, welche die Rhetorik immer fordert, ist sehr ähnlich der Technologie, die während der Aufführung gegenwärtig und so wie die Rhetorik in der Lage ist, zu rühren und zu überzeugen, wie ein Darsteller, der intensiv den eigenen Part vorträgt. Hier schwimmt die Rhetorik im Vortrag dank der mechanischen und chemischen Technologie gegen den Strom, bis zum Quell der Worte, der Stimme. Die Suche nach der Schönheit in den Worten ist nichts anderes als die Suche nach Überzeugungskunst. Diese kann, wie man insbesondere in den von Menschen geschaffenen totalitären Regimen erkennen konnte, ein Höchstmaß an Wirksamkeit erlangen.
Aber die Rhetorik, mit der ihr innewohnenden Macht, kunstfertig mitzuteilen, muß nicht nur schlecht sein, souffliert uns Stanislavskij, der in dieser Inszenierung beschworen wird. Es war in der Exedra eines Theaters, wo der Mord an Julius Cäsar stattfand, schon als Schauspiel für die Welt.

Credits

Künstlerisches Team

Von Romeo Castellucci Nach William Shakespeare und lateinischen Historikern Inszenierung, Bühne, Ton Romeo Castellucci Declamatio Chiara Guidi Actio Claudia Castellucci Betreuung Bühne Paolo Guidi Maschinist Pierre Houben Licht- und Tontechnik Uria Comandini Metallurgie Stephan Duve Administration Michela Medri Betreuung Gilda Biasini Mit Alvaro Biserna, Giovanni Rossetti, Lele Biagi, Elena Bagaloni, Cristiana Bertini, Dalmazio Masini, Ivan Salomoni, Adam Peter Brien

Produktion

Gemeinschaftsproduktion Wiener Festwochen, Societas Raffaello Sanzio, Cesana, kunstenFESTIVAL des Arts 1998, Brüssel in Zusammenarbeit mit Teatro A. Bonci, Cesana