Ja, Feuerbach
Infos
Beschreibung
Titelheld ist der einmal berühmt gewesene Schauspieler Feuerbach, der sich um eine Rolle bemüht in einem Stück, das sich in Vorbereitung befindet. Vor Lettau, einem berühmten Regisseur, soll Feuerbach vorsprechen. Feuerbach kommt pünktlich zum vereinbarten Termin, Lettau verspätet sich um gute eineinhalb Stunden. Während dieser Zeit beginnt Feuerbach einen Dialog mit dessen Assistenten und versucht, ihn für sein Können zu interessieren. Er will ihn in ein Gespräch über Theater und über Schauspielerei verwickeln. Diese fast zweistündige Anwesenheit auf der Bühne, die durch intensives Agieren geprägt ist, wird durch das Getue der Techniker erschwert. Der Schauspieler kämpft nicht nur mit der ihn umgebenden leere, mit der Arroganz und Ignoranz des Assistenten, mit der Primitivität einer zufällig vorbeikommenden Frau, sondern auch mit der eigenen Krankheit. Seine siebenjährige Pause war durch „psychische Labilität" verursacht worden. Endlich kommt Lettau (wir sehen ihn nicht, nur der Assistent informiert uns darüber), das lang vorbereitete Vorsprechen scheitert an der Müdigkeit und Erschöpfung von Feuerbach.
Ein Stück als Metapher des Lebens im Beckettschen Sinn, als ein Spiel zwischen Schein und Sein, zwischen Wahrheit und Masken. Diesem Studium über Leben, Menschen, Theater und Schauspieler gibt Tadeusz Lomnicki seine persönliche Note. Er tauscht die in der deutschen Version vorkommenden Helden gegen die größten Erfolge seiner persönlichen Karriere (Lear, Orest, Arturo Ui, Salieri) aus.
Höhepunkt dieser Produktion ist eine Szene, in der Lomnicki auf altitalienisch (eine Sprache, die er nicht kennt) aus „Die Blumen des heiligen Franziskus" rezitiert. Es ist ein Meisterstück. Das von ihm präsentierte Geräuschmosaik, das das Vogelgezwitscher nachahmt, seine Bewegungen verzaubern über alle Maßen und verführen in die Magie des Theaters.
Credits
Künstlerisches Team
Von Tankred Dorst Inszenierung Tadeusz Lomnicki Bühnenbild Aleksandra Semenowicz Mit Ryszarda Hanin, Tadeusz Lomnicki, Mieczyslaw Moranski
Produktion
Gastspiel Teatr Dramatyczny, Warszawa