Ja, Feuerbach

Tadeusz Lomnicki
1990

Infos

Jahr
1990
Aufführungsdaten
23. & 24. Mai
Spielort
Theater Der Kreis
Genre
Theater
Text
Tankred Dorst

Beschreibung

Titelheld ist der einmal berühmt gewesene Schauspieler Feuerbach, der sich um eine Rolle bemüht in einem Stück, das sich in Vorbereitung befindet. Vor Lettau, einem berühmten Regisseur, soll Feuerbach vor­sprechen. Feuerbach kommt pünktlich zum vereinbarten Termin, Lettau verspätet sich um gute eineinhalb Stunden. Während dieser Zeit beginnt Feuerbach einen Dialog mit dessen Assistenten und versucht, ihn für sein Können zu interessieren. Er will ihn in ein Gespräch über Theater und über Schauspie­lerei verwickeln. Diese fast zweistündige An­wesenheit auf der Bühne, die durch intensi­ves Agieren geprägt ist, wird durch das Getue der Techniker erschwert. Der Schauspieler kämpft nicht nur mit der ihn umgebenden leere, mit der Arroganz und Ignoranz des Assistenten, mit der Primitivität einer zufällig vorbeikommenden Frau, sondern auch mit der eigenen Krankheit. Seine siebenjährige Pause war durch „psychische Labilität" verur­sacht worden. Endlich kommt Lettau (wir sehen ihn nicht, nur der Assistent informiert uns darüber), das lang vorbereitete Vorspre­chen scheitert an der Müdigkeit und Erschöpfung von Feuerbach.
Ein Stück als Metapher des Lebens im Beckettschen Sinn, als ein Spiel zwischen Schein und Sein, zwischen Wahrheit und Masken. Diesem Studium über Leben, Men­schen, Theater und Schauspieler gibt Ta­deusz Lomnicki seine persönliche Note. Er tauscht die in der deutschen Version vorkom­menden Helden gegen die größten Erfolge seiner persönlichen Karriere (Lear, Orest, Arturo Ui, Salieri) aus. 
Höhepunkt dieser Produktion ist eine Sze­ne, in der Lomnicki auf altitalienisch (eine Sprache, die er nicht kennt) aus „Die Blumen des heiligen Franziskus" rezitiert. Es ist ein Meisterstück. Das von ihm präsentierte Ge­räuschmosaik, das das Vogelgezwitscher nachahmt, seine Bewegungen verzaubern über alle Maßen und verführen in die Magie des Theaters.

Credits

Künstlerisches Team

Von Tankred Dorst Inszenierung Tadeusz Lomnicki Bühnenbild Aleksandra Semenowicz Mit Ryszarda Hanin, Tadeusz Lomnicki, Mieczyslaw Moranski

Produktion

Gastspiel Teatr Dramatyczny, Warszawa